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Walkabouts

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Schön, der Sommer! Rausgehen macht Spass, frohe Menschen sehen auch.  Die Knospen- und Blütenwucht packt den Hamburger Luftzug bei den eisigen Hörnern und kehrt ihn unter den Teppich der grünen Wiesen und leichten Brisen. Die kahlen Äste schmücken sich, die bleichen Nasen röten sich. Nur vereinzelt stechen die tiefblauen Hörner durch den Blütenteppich wie das Dach der unvollendeten Elbphilharmonie und erinnern uns wie zerbrechlich das nordische Schönwetter ist.

Ich wohne am Stadtpark. Die Ubahnstation ist unbenutzbar übervölkert von sonnendurstigen Hanseaten! Ich überlege, ob ich heut nicht einfach zu Fuß in die Stadt gehe, als durch mein Fenster Chorgesänge, begleitet von den Trompeten Jerichos in meine frühen Tagesahnungen wallen! Nachdem ich für eine Weile von Star Wars als Kino Open Air ausgehe, und mich schon auf die Laserschwertduelle freue, erinnere ich mich, dass die sakrale Chordruckwelle nur bei dem großen Abschlussgottesdienst der Hamburger Kirchentage gezündet worden sein kann. Oder eben im Hyperraum. Die Vorstellung, dass ein Park voller hingebungsvoll lobpreisender Pilger mein Kaffeeaufbrühen in einen spirituellen Akt verwandelt, treibt mich innerhalb von einigen Minuten von meinem Kaffee aus in die Menge.  Nein, ich trage kein blaues Halstuch, an dem sich die Teilnehmer hier und überall in der Stadt erkennen. Das ist allerdings nicht weiter tragisch, denn diese Uniformität wird von anderen mühelos gelockert; Da ist die omnipräsente Gruppe der immer ein wenig soldatisch anmutenden Pfadfinderhemden, die neonleuchtenden Westen der Ordner, berittene Polizei (!) und nicht zu vergessen stoisch, nordic-stöckelnde Selbstertüchtiger, die sich von ein paar tausend Kreuzfans sicher nicht die sonntägliche Parkrunde vermiesen lassen.

Ich geniesse die Festtagsstimmung etwa 15 Vaterunser lang, dann widme ich mich meinem Frühstück beim besten Bistro in Winterhude. Hier, direkt an der Ubahnstation pilgern unablässig die Jünger zurück in ihre Sprengel. Mein Frühstück schmeckt wahnsinnig gut in der Sonne, und ich möchte unwillkührlich jemand Höherem dafür danken, als ich über ein Interview mit Helmut Schmidt in der Zeit stolpere. Herr Schmidt erzählt von der frühen SPD und von sich sebst! Er redet wie so oft von Pragmatismus, ist dabei aber voll der Passion. Ich kann das Interview nur halb lesen. Danach habe ich das dringende Gefühl, was tun zu müssen. Planen. Anpacken. Ein Pamphlet verfassen.Vielleicht war es das Vaterunser, das einen Rest christlicher Sozialisation in mir zum Schwingen bringt, vielleicht wars Herr Schmidt. Vielleicht wars einfach die exquisite Laugenstange. Ich schreibe jedenfalls ein neues Album. Mit allem. Gleich morgen!

 

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